Das Filmfest Schleswig-Holstein 2017


Vier Buddelschiffe voraus! – Die Preisträger des 21. Filmfests Schleswig-Holstein stehen fest!

Die Jury für den Filmpreis Schleswig-Holstein entschied sich dieses Jahr für zwei Siegerfilme. 1000,- Euro Preisgeld und der traditionelle Filmpreis in Form eines Buddelschiffs gingen an den schwedischen Kurzfilm „If you leave me now“ von Maria Eriksson mit der Begründung: „Loslassen von einem geliebten Menschen, damit er sein eigenes Leben leben darf. Dazu ist Friedas Mutter nicht in der Lage und zwingt ihr eine Entscheidung auf. Mutter oder Freund? Selbständigkeit oder Familie? Für anderes scheint kein Platz zu sein. Die Nähe zu den Darstellern, die perfekte Inszenierung zieht uns hinein in diesen Konflikt, dessen Lösung uns in seiner Tragik betroffen und nachdenklich zurück lässt.“

Des Weiteren erhielt „Franzosensand“ von Bettina Nürnberg und Dirk Peuker einen mit 1000,- Euro dotierten Filmpreis. Die Kurzdokumentation über die Geschichte einer norddeutschen nationalsozialistischen Siedlung wurde aus folgenden Gründen ausgezeichnet: „Franzosensand spielt durch treffende, pointierte Dialoge und die daraus entwickelten Charaktere mit Fiktion und Dokumentation, Vergangenheit und Gegenwart: `Informier Dich nicht nur, recherchier auch, wenn die Mama Dich nicht fährt, krieg selbst den Hintern hoch.

Eine lobende Erwähnung erhielt darüber hinaus der Kurzfilm „Tilda“ von Katja Benrath, Studentin der Hamburg Media School. Sie lautete: „Die schüchterne Schneiderin Tilda lebt in einer liebevoll-skuril gezeichneten Traumwelt. Sie spielt lieber mit Puppen, als sich der Realität zu stellen. Ohne Worte und in detailierten Bildern folgen wir Tilda auf dem Weg ins Glück.“

Die Preisträger wurden von Christoph Zickler, Vorstandsmitglied des Preisstifters Filmkultur Schleswig-Holstein e.V. (ehemals Kulturelle Filmförderung Schleswig-Holstein) verlesen und in Abwesenheit der Filmemacher verliehen.

Der erstmals in diesem Jahr vergebene Dokumentarfilmpreis, finanziert von ver.di FilmUnion Nord, ver.di Bezirk Kiel-Plön und ver.di Landesbezirksfachbereich Medien, Kunst, Industrie Hamburg/Nord, konnte hingegen von Jens Stubbe (Projektmanager bei Connex.av / Ver.di) direkt übergeben werden. Der mit 1000,- Euro dotierte Preis ging an die Dokumentation „Deportation Class“ von Carsten Rau und Hauke Wendler. Die vierköpfige Jury begründete ihre Entscheidung mit den Worten: „Hautnah sind die Filmemacher dabei, als die Familien nachts aus dem Schlaf gerissen werden. Man möchte glauben es sei eine Übung, aber es ist Realität. Die deutliche Haltung der Filmemacher zur Abschiebungsprozedur hat die Jury überzeugt. Der Film endet nicht mit der Pflichterfüllung der Behörden an der deutschen Grenze. Besonders wichtig ist der Blick auf die wiederkehrende Realität im sogenannten `sicheren Herkunftsstaat´ Albanien.“ Der Hamburger Filmemacher Hauke Wendler (Pier 53 Filmproduktion) nahm die Buddelschiff-Trophäe unter viel Applaus entgegen und betonte in seiner Dankesrede: „Wir brauchen solche Filme, damit wir ins Gespräch kommen, damit wir streiten und dafür ist das Kino der richtige Ort.“

Außerdem erhielt Antje Huberts Dokumentarfilm „Von Bananenbäumen träumen“ von der Jury eine lobende Erwähnung. Von Bananenbäumen träumen, mit Gülle Energie erzeugen um afrikanische Welse zu züchten, eine Aktiengesellschaft gründen, die Gewinne abwirft, um ein Dorf am Leben zu erhalten. Eine wunderbare Utopie, die durch das gemeinsame, generationsübergreifende Engagement Realität wird.“

Der Nachwuchsfilmpreis wurde bereits zum dritten Mal vom Kiel-Tatort-Produzenten Nordfilm gestiftet und mit 1000,- Euro dotiert. Geschäftsführerin Kerstin Ramcke verlieh den Preis und das Buddelschiff an die anwesende dänische Filmemacherin Mie Skjoldemose, die den Kurzfilm „Voxeværk“ im Rahmen ihres Studiums an der Danish National Filmschool drehte. Die drei Jury-Mitglieder begründeten ihre Wahl wie folgt: „Voxevaerk erhält den Nachwuchspreis des Filmfest Kiel 2017, weil dieser Film erzählerisch und stilistisch Mut beweist. Erzählt wird die coming-of-age Geschichte eines jungen Mädchens, das lernt, ihren eigenen Weg zu gehen. Der jungen Regisseurin Mie Skjoldemose ist es gelungen, mithilfe einer ungewöhnlichen und gewagten Mischung aus fantastischen und realistischen Elementen, Einblicke in das bedrückende Innenleben einer heranwachsenden jungen Frau zu bieten. Dabei werden von den großartigen Schauspielerinnen nicht nur Schmerz und Leid bewegend dargestellt. Es ist vor allem der Optimismus und die Kraft der Hauptfigur, die diese Geschichte zu einem wundervollen und starken Film machen.“

Darüber hinaus gab es von der Jury noch eine lobende Erwähnung für den Tanzfilm „Different Directions“ der Jung-Regisseurin Jasmin Luu. Die Begründung lautet: „Erzählt wird eine zarte Annäherung zweier auf den ersten Blick äußerst ungleicher Menschen, die sich schließlich durch eine eindrucksvolle Choreografie kennen und lieben lernen. Different Directions nutzt gekonnt filmische Mittel um Tanz, als eine Kunstform, die ihre Tradition auf der Bühne hat, visuell erfahrbar zu machen. Inszeniert mit ergreifender Musik entsteht ein außergewöhnliches Stück Kunst.“

Ein wunderbarer Abschluss für das 21. Filmfest Schleswig-Holstein!