Tokat – Das Leben schlägt zurück

D/TRK 2016; Regie: Andrea Stevens; 77 Minuten

Der Dokumentarfilm portraitiert drei ehemalige Mitglieder Frankfurter Jugendbanden wie den „Turkish Power Boys“, damals und heute, und öffnet den Blick auf Biographien jenseits von Migrationsklischees und kulturpolitischen Floskeln.

Kerem, Dönmez und Hakan hatten in ihrer Jugend eines gemeinsam: Als Immigranten aus dem ostanatolischen Dorf Bayat wuchsen sie zusammen im Frankfurter Stadtteil Bornheim auf und waren dort Mitglied der berüchtigten Jugendbanden. Anfang der 90er Jahre machten sie die Stadt durch zahlreiche Gewaltdelikte unsicher – von Beschaffungskriminalität bis hin zu schwerer Körperverletzung und Todschlag. Ihr Ruf verbreitete sich rasant, nicht zuletzt durch die Berichterstattung in lokalen und überregionalen Medien.

Heute, nach 20 Jahren, weisen ihre verschiedenen Lebenswege kaum noch Parallelen auf. Kerem ist durch seinen damaligen Heroinkonsum mittlerweile Frührentner. Dönmez wurde in die Türkei abgeschoben, ist Familienvater und arbeitet in einer Apfelsaftfabrik. Hakan, 1999 in die Türkei abgeschoben, arbeitet als Feldarbeiter am Fuß des Berges Ararat und ist heimatlos.

„Tokat“ spielt in der Gegenwart, die durch Beobachtungen des Alltags der Männer und prägnante Interviewsituationen eingefangen wird. Verknüpft mit den Erinnerungen und Erzählungen aus ihrer Jugend, begibt sich der Film auch visuell in die Vergangenheit. Die unterschiedlichen Lebensräume in Frankfurt und Anatolien, als Jugendliche und Erwachsene, irgendwo zwischen Bedauern und Nostalgie, werden dadurch zu einer dynamischen und persönlichen Geschichte.

Andrea Stevens ist studierte Filmproduzentin und Redakteurin. Sie erstellt seit mehr als sieben Jahren Fernsehbeiträge und Reportagen. Dabei scheut sie sich auch nicht davor in Krisengebiete zu reisen, wie zuletzt im Rahmen einer Reportage über die Situation von Flüchtlingen in Syrien für die Cinema for Peace Initiative. Vor drei Jahren produzierte Stevens zusammen mit ihrer Kollegin Cornelia Schendel den Dokumentarfilm „Tokat“.

Cornelia Schendel ist etabliert als Kamerafrau und Cutterin. Ihr Know-How erwarb sie durch eine Ausbildung zur Mediengestalterin sowie durch filmrelevante Studiengängen in Deutschland und Finnland. In den letzten vier Jahren hat Cornelia an unterschiedlichen Filmprojekten für Unternehmen, das Fernsehen oder das Internet mitgewirkt.

2011 haben die beiden Schendel Stevens Filme gegründet, eine Full Service Filmproduktion mit Sitz in Frankfurt am Main. Das Unternehmen konzipiert, plant und realisiert diverse Medienproduktionen von Dokumentarfilmen über Reportagen und Fernsehbeiträgen bis hin zu Event- und Imagefilmen für Unternehmen und Institutionen. Das Portfolio umfasst dabei die Bereiche Filmproduktion, Regie, Redaktion, Schnitt und Postproduktion.

Drehbuch
Andrea Stevens
Kamera
Cornelia Schendel
Kontakt
www.tokat-film.de, www.schendelstevensfilme.de