LandRush

D seit 2011; Regie: Frauke Huber, Uwe H. Martin; ca. 90 Minuten

Interaktive Web-Documentary über die Zukunft der Landwirtschaft:

2008 kommt es in mehr als zwei Dutzend Ländern zu gewaltsamen Protesten. In den drei Jahren zuvor sind die Preise für Weizen und Mais auf das Doppelte und für Reis auf das Dreifache gestiegen. Ende 2010 steigen die Lebensmittelpreise wieder rasant. Die Regierungen in Tunesien, Ägypten und Libyen stürzen, es kommt zu Aufständen in Bahrain, Jemen und Syrien.

Anders als bei den Hungerkrisen in früheren Jahrzehnten sind nicht kurzfristige Ernteausfälle verantwortlich. Die hohen Preise sind Symptom einer großen, dauerhaften Herausforderung:

Weltweit wurde in den meisten Jahren seit der Jahrhundertwende mehr Getreide verbraucht als erzeugt – trotz Rekordernten. Die Lebensmittelproduktion kann mit der wachsenden Weltbevölkerung, vor allem aber mit den sich ändernden Ernährungsgewohnheiten in Schwellenländern nicht mehr mithalten. Energieerzeugung auf dem Acker tritt in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion. Alles zusammen genommen wird die Landwirtschaft 2050 voraussichtlich doppelt so viel produzieren müssen wie bisher.

Ob das gelingt? Vermehrte Ernteausfälle infolge des Klimawandels, sinkende Grundwasserspiegel, ausgelaugte Böden und beständig niedrigere Produktivitätszuwächse bei den meisten Kulturpflanzen deuten in eine andere Richtung.

Das Projekt „LandRush“ untersucht in einer multimedialen iPad-Reportage die Zukunft der Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Ernährungssicherung, Energieproduktion und internationalen Landinvestitionen. In den vergangenen vier Jahren haben Frauke Huber und Uwe H. Martin auf jeweils zweimonatigen Reisen Land Grabbing in Äthiopien, industrielle Megafarmen in Brasilien und die Äthanol-Produktion in Iowa dokumentiert. Aktuell arbeiten die beiden an neuen Projektteilen über die Dürre im Westen der USA, ökologische Landwirtschaft und Landvergabe-Politik in Ostdeutschland und die Grenzen der Grünen Revolution in Indien.

Frauke Huber (*1966) und Uwe H. Martin (*1973) sind visuelle Geschichtenerzähler aus Hamburg. Sie arbeiten mit den Medien Fotografie, Film und Text an Langzeitdokumentationen in journalistischen sowie in künstlerischen Kontexten.

Neben ihren gemeinsamen visuellen Feldforschungen unterrichtet Uwe H. Martin u.a. Fotografie und Multimedia Storytelling am Camera Arts Programm der Hochschule Luzern, an der Akademie für Publizistik, Hamburg, der FH Bielefeld und der HFK Bremen. Er ist Mitglied im Bombay Flying Club. Uwe H. Martin studierte Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Fachhochschule Hannover und mit Unterstützung eines Fulbright-Stipendiums an der Missouri School of Journalism in den USA.
Frauke Huber hat vor ihrer Fotografie-Ausbildung in Kiel Volkswirtschaftslehre an der LMU München und der Christian-Albrechts-Universität Kiel studiert.

„LandRush“, das aktuelle Projekt des Duos, ist nicht nur im Kontext des Journalismus angesiedelt, sondern eingebunden in das internationale Forschungs- und Kunstprojekt World of Matter (http://www.worldofmatter.net ). Neben Veröffentlichungen in Medien wie z.B. Geo, Cicero und Süddeutsche Zeitung wird „LandRush“ weltweit in Museen, Galerien und Universitäten gezeigt, u.a. im Hartware Medienkunstverein in Dortmund, der James Gallery der CUNY in New York, der Coalmine Gallery in Winterthur und der Leonard & Bina Ellen Art Gallery in Montreal.

2010 haben Huber und Martin in Mombasa, Kenia das Hilfs- und Dokumentarprojekt Aggreys Traum ins Leben gerufen, welches eine Slumschule unterstützt und zum Vorbild für die Gründung der Freelens Foundation wurde.

Drehbuch
Frauke Huber, Uwe H. Martin
Kamera
Frauke Huber, Uwe H. Martin
Kontakt
contact@uwehmartin.de