Straßenblues

D 2015; Regie: Nikolas Migut; 29:48 Minuten

Im Herbst 2012 treffen Dokumentarfilmer Nik und der Obdachlose Alex aufeinander. Um kurz vor fünf Uhr morgens beginnt an der Berliner Bahnhofsmission am Zoo ihre kurze Reise durch die Nacht. Nach einem gemeinsamen Frühstück trennen sich ihre Wege. Bis beide dann zweieinhalb Jahre später, dank eines Hinweises einer Filmfestival-Zuschauerin, in Neumünster wieder aufeinander treffen.
Zehn Jahre auf der Straße haben Alex verändert. Er ist nicht mehr der gleiche Mensch, musste als Obdachloser Kälte und Einsamkeit erleiden. Oft schlief er nächtelang nicht und fand sich auf Polizeistationen und in Krankenhäusern wieder. Warum hat er sich in diesem Jahrzehnt als Obdachloser nie an seine Familie gewandt? Wie schlug er sich tagtäglich ohne Geld und Freunde durch? Und vor allem: Wie landete er überhaupt auf der Straße?

Anfang 2015 trifft Nik einen Ex-Obdachlosen. Alex hat inzwischen eine Sozialwohnung – und versucht wieder Anschluss an die Gesellschaft zu finden, die ihn in den vergangenen Jahren oft ignoriert hat. Alex ist jetzt 54 Jahre alt und bekommt seine zweite Chance.

Alex ist nur einer von schätzungsweise 16.000 wohnungslosen Menschen in Berlin. Insgesamt sind in Deutschland etwa 284.000 Menschen ohne Wohnung. Die Dokumentation möchte zeigen, was Obdachlose am meisten schätzen: Aufmerksamkeit. „Straßenblues“ lädt den Zuschauer ein, das Leben eines Obdachlosen aus dessen Augen wahrzunehmen. Filmemacher Nikolas Migut bereitet Alex eine Bühne, um ihm etwas zu geben, das er verloren hat: eine Stimme.

Entwickelt aus „7 Tage… unter Pennern“ von Nikolas Migut, Julian Amershi und Benjamin Arcioli (NDR 2013).

Nikolas Migut wurde 1977 geboren und hat Publizistik- und Politikwissenschaft in Mainz und Journalismus an der USC in Australien studiert. Nach seinem Redaktionsvolontariat beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg arbeitete er drei Jahre für die investigativen Magazine des NDR und der ARD, wie für die Redaktion Panorama. Seitdem drehte er als Videojournalist und führte Regie für die ARD. Außerdem realisierte er Auftragsarbeiten für freeeye.tv (u.a. ZEIT ONLINE & n-tv).
Seit 2012 ist Migut in der Abteilung Dokumentation und Reportage des NDR und arbeitet dort als fester freier Mitarbeiter in der innovativen Redaktion DIE BOX – dem Entwicklungslabor für dokumentarisches Erzählen des NDR, aus der unter anderem die Doku-Reportage „7 Tage“ und der Doku-Talk „Die Geschichte eines Abends“ stammt, für den er 2015 im Team für den Grimme-Preis nominiert wurde. In diesem Jahr wurde auch Miguts Webreportage über das größte Jugendgefängnis Deutschlands, „Knastkarrieren“, für den Deutschen Reporterpreis nominiert.

 

Drehbuch
Nikolas Migut
Kamera
Nikolas Migut
Kontakt
Nikolas@migutmedia.de