Vier Danach

D 2015; Regie: Julia J. Geiß; 43:38 Minuten

Katharina, Marius und Malte verbindet nichts außer ein Verlust: Ihre Väter starben aufgrund eines HIV-verseuchten Präparates für Bluterkranke.

Die Filmemacherin Julia Geiß macht sich auf die Suche nach den Vätern, die in aller Stille starben. Es ist auch die Suche nach dem eigenen Vater. Und sie findet mehr, als nur eine Hinterlassenschaft von monatlichen Entschädigungszahlungen der Pharmaindustrie.

Aids hat viele Gesichter: Das des schwulen Mannes, der sich bei anonymen Sex angesteckt hat. Das des afrikanischen Aids-Waisen, das von der Broschüre einer Hilfsorganisation blickt. Das der Drogenabhängigen, die sich an einer Heroinspritze infizierte. Aids hat aber nicht das Gesicht eines Familienvaters.
Wie etwa dem Vater von Katharina Huber: Der Physiker am Fraunhofer Institut in Berlin-Dahlem wurde 1998 plötzlich wegen einer Erkältung auf die Intensiv-Station eines Krankenhauses eingeliefert. Kurze Zeit später verstarb er – nicht an dem harmlosen Infekt, sondern an Aids. Katharinas Vater war hämophil, ein Bluter, der durch Gerinnungsmedikamente seinen angeborene Gendefekt kompensierte und dabei mit HIV infiziert wurde.
In Deutschland steckten sich Anfang der achtziger Jahre etwa 1800 hämophile Männer durch ihre Medikamente mit dem HI-Virus an, mehr als 1000 von ihnen sind mittlerweile an Aids gestorben. Viele davon waren Väter und haben Kinder hinterlassen.

Vor knapp dreißig Jahren wurde das Versagen von Politik und Pharmaunternehmen bei der Medikamentenprüfung auf HIV unter dem Stichwort Bluterskandal bekannt. Nach einem 1993 einberufenen Untersuchungsausschuss, wurde die „Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen“ eingerichtet, die Betroffene und Hinterbliebene bis heute mit Zahlungen entschädigt.
Auch Marius bekam jeden Monat Geld für den Verlust seines Vaters. Seine Haltung zu den monatlichen Zahlungen wird deutlich, als Marius 25 Jahre alt wird und somit die Entschädigungszahlungen enden.

Auch in der Öffentlichkeit wurde der zweitgrößte Medizinskandal nach der Contergan-Affäre vergleichsweise wenig beachtet. Aids war etwas, was sich im Milieu verbreitete – dachte man damals. Deshalb fand die Krankheit in vielen betroffenen Familien keinen Platz. Aber es gab auch Ausnahmen, wie etwa bei den Eltern von Malte. Hier fand eine offene Kommunikation in der Familie statt oder könnte man es auch Verdrängung nennen?

Die Filmemacherin Julia Geiß auf die Suche nach den Vätern, die in aller Stille starben. Es ist auch die Suche nach dem eigenen Vater. Der Dokumentarfilm „Vier Danach“ die erzählt die Geschichten dieser drei jungen Menschen. Anhand ihrer Porträts werden Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede im Umgang mit der Krankheit, dem Tod, dem Medizinskandal und den Entschädigungszahlungen gezeigt. Die Anwältin Rita d‘Avis, die für rund 100 HIV- infizierte Bluter Entschädigungen verhandelt hat, erläutert dazu die Fakten des Skandals.

Julia J. Geiß wurde 1982 in Kassel geboren und absolvierte eine zweijährige Ausbildung zur geprüften Kommunikationswirtin. 2005 begann sie das Studium der Visuellen Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel in den Bereichen Fotografie und Animationsfilm. Im letzten Jahr machte sie ihren Master of Fine Arts (mit Auszeichnung), Schwerpunkt: Bildgestaltung. Nach diversen Tätigkeiten als tätig als Tontechnikerin / Kameraassistentin (für RBB, ARD, ZDF, 3Sat, Arte) bzw. Produktionsassistentin und Kamerafrau (bei den Produktionsfirmen „architekturclips“ und „clair-obscurvideoproduktion“) ist sie seit 2013 Mitarbeiterin im AV-Medienbereich im CEDIS (Center für Digitale Systeme- Kamera und Schnitt) der Freien Universität Berlin.

Drehbuch
Sarah Paar
Kamera
Julia J. Geiß
Kontakt
post@juliageiss.de